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Freitag, den 10. September 2010 um 22:43 Uhr

Vereinsgeschichte des TSV 1871 Retzbach

 

 

Die Gründung

Als Turnvater Jahn im Jahre 1811 mit Jugendlichen den ersten Turnplatz in der Hasenheide bei Berlin eröffnete, war dies die Geburtsstunde der von ihm selbst benannten Turnkunst und des Turnwesens.

Nach Jahren des Probens und Ausprobierens entstanden um 1840 die ersten deutschen Turnvereine. Nach einem zwischenzeitlichen Verbot der Turnvereine in Bayern gründeten sich nach 1860 in unserer Gegend mehrere Vereine, u.a. auch unser Patenverein 1861 Zellingen. So kam im Anfang der 70er Jahre die Turnidee nach Retzbach.

Es gehörte viel Mut und Idealismus dazu, sich über die zeitgenössischen Vorurteile hinwegzusetzen, die sich dem Streben nach freiheitlicher Tätigkeit und dem einmütigen Willen, sich freiwillig in eine Gemeinschaft zusammenzuschließen, sperrten. Als der Krieg 1871 zu Ende ging, haben sich in Retzbach 15 Kriegsteilnehmer zusammengefunden, um einen Turnverein zu gründen.

Die Namen der Gründungsmitglieder sind uns noch überliefert worden, aber sonst sind zahlreiche Vereinsunterlagen von 1871 bis 1877 und von 1910 bis 1945 durch Feuer und Feindeinwirkung des letzten Weltkrieges verloren gegangen. Aus dem kleinen Häuflein junger Leute ist in Jahren reger Vereinstätigkeit ein Verein von rund 800 Mitgliedern geworden.

Das erste Vereinslokal vor war das Gasthaus zum Anker, dessen Wirt ein Turnfreund war. Im Ankergarten wurden verschiedene Turngeräte aufgestellt und fleißig geübt. Später wechselte man das Vereinslokal, da der junge Löwenwirt, vom Militärdienst kommend, ein begeisterter Turner und Förderer war. Sein erstes großes Turnfest mit Fahnenweihe feierte der Verein 1899.

 

Neuaufbau nach dem 1. Weltkrieg

 

Nach dem ersten Weltkrieg wurde erneut der TSV aufgebaut. 1919 erbrachte ein gut organisiertes Bergfest mit Wettkämpfen dem Verein einen Reinertrag von 2.400 RM, eine für damalige Verhältnisse beachtliche finanzielle Leistung. So konnte man bereits 1923 mit einer gefüllten Vereinskasse, in Thüngersheim eine alte Scheune kaufen und das Bauholz zum Aufbau der Turnhalle in der Bahnhofstraße verwenden.

1927 bildete sich aus jungen Turnmitgliedern ein Fußballklub, der sich mit eigener Satzung dann selbständig machte und 1930 bereits 80 Mitglieder zählte.

In der Zeit des 3. Reiches wurde die Vereinsfahne vom Turnfreund Otto Feser vor der Ablieferung und damit vor einer Vernichtung bewahrt. Sie überlebte das Kriegsende bis zur Neugründung des TV im Jahre 1946.

1948 schlossen sich der Turnverein 1871 und der Fußballklub 1927 zum Turn- und Sportverein 1871 zusammen. Damit war die Grundlage geschaffen für die nun einsetzende breite Entwicklung eines großen Sportvereins, der die wesentlichen Sportarten in einem Verein zusammenfasste.

1956 kam noch der Spielmannszug hinzu, so dass der TSV Retzbach ein breites Angebot der sportlichen Betätigung zu bieten hatte.

In der Turnhalle, die während des 2. Weltkrieges und bis 1950 für zwei Familien als Notunterkunft diente, wurde nach einem Umbau der Übungsbetrieb aufgenommen. Er erstreckte sich auf Schüler und männliche Jugend.

Durch intensives Training hatte die männliche Jugend bald einen Leistungsstand erreicht, der selbst mit der Turnerjugend großer Vereine konkurrieren konnte. Eine Vielzahl von guten Platzierungen bei Wettkämpfen aller Art, selbst bei Gau-, Bezirks-, Landes- und Deutschen Turnfesten legen davon Zeugnis ab.

Nachdem 1955 erstmals in der Vereinsgeschichte das Frauenturnen eingeführt wurde, erreichte auch die weibliche Jugend bald einen beachtlichen Leistungsstand.

Höhepunkte im Vereinsgeschehen waren die Fahnenweihe, verbunden mit dem 85jäh-rigen Vereinsjubiläum 1956, die Durchführung des Gauturnfestes 1958, sowie die aktive Teilnahme an den Deutschen Turnfesten 1958 in München und 1968 in Berlin.

Das 100jährige Vereinsjubiläum am 12. und 13. Juni 1971 und die Festwoche vom 26.6. bis 5.7. wurde eröffnet von einem Empfang der politischen Gemeinde im Rathaus und einem großen Ehrenabend im Vereinslokal.

Den Turn- und Sportverein leitete in dieser Zeit Günther Thoma. Prominenz aus Sport und Politik gaben sich in der Marktgemeinde ein Stelldichein um dieses Jubiläum zu würdigen. Eine besondere Würdigung wurde Oberturnwart Helmut Gottschlich zuteil.

Vom Bezirksvorsitzenden des Turngaues Würzburg, Hermann Goschenhofer, wurde er mit der goldenen Ehrennadel und dem Ehrenbrief des Bayerischen Turnerbundes ausgezeichnet.

Die Festwoche war geprägt von Geräte- und Leichtathletik-Wettkämpfen, Schauturnen, Werbespielen und dem 15jährigen Jubiläum des Spielmanns- und Fanfarenzuges. Mit Standkonzerten im ganzen Ort stellten sich die Spielmannszüge der Einwohnerschaft vor.

 

Eine Sporthalle wird benötigt

Viele Jahre diente die Halle in der Bahnhofstraße dem Übungsbetrieb des Vereins und dem Turnunterricht der Volksschule. Doch dieser Turnbetrieb war für Lehrer und Kinder in keiner Weise mehr zumutbar und eine Lösung konnte nur in der Errichtung einer Turnhalle am Schulgelände gefunden werden.

Der Vorsitzende des TSV, Architekt Wilfried Schmitt, konzipierte im Auftrag des Schulverbandes eine moderne Halle mit den notwendigen Außenanlagen und im Oktober 1976 wurde die Halle eingeweiht. Nun konnte der TSV auch an einen zeitgemäßen Turnbetrieb denken. Vom Kinderturnen bis zum Hausfrauenturnen, Skigymnastik, Volleyball und Tischtennis, wurde die Halle an vielen Nachmittagen und Abenden belegt. Frauen und Männer ließen sich zu Übungsleitern ausbilden.

Alle Altersgruppen haben heute Gelegenheit, sich beim TSV sportlich zu betätigen und im Protokoll wird von einem gelungenen Senioren-Nachmittag berichtet, an dem sich ca. 100 Teilnehmer bei Mitmach-Aktionen, Volkstänzen und Ballspielen beteiligen. Insgesamt nutzen heute mehr als 280 Kinder, Jugendliche und Erwachsene die vielfältigen Angebote des Vereins.

 

 

Die Tennisabteilung entsteht

Neben der Schulturnhalle ist auch ein Tennisplatz angelegt worden. Diese Möglichkeit nutzte eine Gruppe im TSV und gründet 1975 die Tennisabteilung. Bald reicht dieser eine Platz nicht mehr aus und so wird im Frühjahr 1982 mit dem Bau von zwei Tennisplätzen am Sportgelände begonnen. Im Herbst des gleichen Jahres sind die Tennisplätze fertig gestellt. Das Vereinsturnier der Tennisabteilung kann erstmals 1983 auf dem neuen Sportgelände stattfinden.

1987 werden zwei weitere Tennisplätze mit einem Gerätehaus in Betrieb genommen. Vier Mannschaften nehmen bereits 1989 erfolgreich an Verbandsspielen teil. Jährlich werden die Vereinsmeisterschaften im Damen- und Herrentennis ausgetragen.

 

 

Ein neues Sportgelände ist dringend nötig

Der Fußballplatz am Main, immer wieder von Hochwasser bedroht und verwüstet, entsprich nicht mehr den Vorstellungen der Fußballer. Ein eigenes Sportgelände, mit den erforderlichen Nebenanlagen, muss erstellt werden. Beim Zusammenschluss der Gemeinden Retzbach und Zellingen ist in einem Vertrag vom 21. Mai 1974 festgelegt worden, dass 30 % der zusätzlichen Schlüsselzuweisungen als Grundstock für die Anlegung eines Sportgeländes verwendet werden sollen.

Vorsitzender Erich Göbel nimmt in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des TSV, im Februar 1980, Stellung zum neuen Sportgelände und erläutert den Werdegang. So sind Gespräche mit Vertretern des Landratsamtes, der Regierung von Unterfranken, dem Flurbereinigungsamt und der Gemeinde notwendig gewesen, um endlich bauen zu können. In dieser Versammlung werden die aufliegenden Pläne genehmigt und jetzt ist es möglich, Zuschussanträge zu stellen.

Auch der Bauausschuss des Marktes Zellingen gibt grünes Licht. Der TSV wird den Bau des Rasensportplatzes, der zwei Tennisplätze und des Vereinsheimes übernehmen. Das Gelände umfasst 3,4 ha und liegt neben der Umgehungsstraße in Richtung Himmelstadt.

Bei einer Besichtigung durch den Gemeinderat im März 1982 zeigen sich die Herren angetan von der bisherigen Leistung des TSV unter Stabführung seines 2. Vorsitzenden Bernhard Hock. "Wir konnten uns überzeugen, dass unsere Gelder gut angelegt worden sind", meinte Bürgermeister Valentin Bauer.

Aber auch Rückschläge kennzeichnen die Arbeit in diesem Verein. Immer häufiger kommt es zwischen der Vereinsführung und der Abteilung des Spielmannszuges zu Spannungen. In der Generalversammlung vom 13. Juli 1979 kann kein Abteilungsleiter für den Spielmannszug gefunden werden. Vorstandschaft und Vertreter der Spielmannszugabteilung finden nicht mehr zusammen. Deshalb gründen die Musiker eine Interessengemeinschaft mit dem Ziel, selbständig zu werden. In der Gründungsversammlung vom 20.10.1979 fassen die Aktiven und die Eltern der Jugendlichen den Beschluss, den TSV zu verlassen und einen eigenen Verein zu gründen. Trotz damaliger harter Auseinandersetzungen, hat der TSV auch zum neuen Verein "Moderner Spielmanns- und Fanfarenzug" ein gutes Verhältnis aufgebaut und beide Vereine arbeiten freundschaftlich zusammen.

Im November 1981 gibt es wieder einen Grund zum Feiern: 110 Jahre TSV Retzbach. Zu einem Ehrenabend lädt der Turn- und Sportverein 1871 Retzbach in die Benediktusstuben des Hotels zum Löwen ein. Der Vorsitzende des Festausschusses, Helmut Gottschlich, legt in seiner Festrede die elf Jahrzehnte umfassende Geschichte des TSV dar.

 

Fertigstellung der neuen Sportanlage

Schon im Mai 1983 kann der Verein zur Einweihung des neuen Sportgeländes "Am Bühl" einladen. Nach etwa zwei Jahren Bauzeit hat der TSV ein Zwischenziel seines Traumes erreicht. Zum neuen Sportgelände gehören zwei Rasen- und Tennisplätze, sowie ein Vereinsheim im Rohbau. Bisher sind Kosten in Höhe von 450.000.- DM für dieses Projekt angefallen. Stellvertretend für alle Helfer wird Bernhard Hock, der sich durch seinen Einsatz besonders hervortat, mit der goldenen Ehrennadel des TSV ausgezeichnet. Bis zum Jahresende erhöht sich die Summe für die Sportanlage auf 600.000 DM. Außerdem wurden weit über 8.000 freiwillige Arbeitsstunden erbracht.

Im März 1985 übernimmt Bernhard Hock die Leitung des TSV. Die Arbeiten gehen zügig weiter und vom 17. - 21. Juni 1987 wird erneut gefeiert. Mit der Weihe des fertig gestellten Vereinsheimes geht ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. Ein großes Ziel, das vor etwa 15 Jahren gesteckt wurde, ist erreicht. Mit dem Vereinsheim werden zwei weitere Tennisplätze, sowie ein Kassenhäuschen für die Fußballer fertig gestellt. Neben diesem Ereignis feiern gleich drei Abteilungen Geburtstag: Die Fußballabteilung besteht seit 60 Jahren, die Damengymnastik seit 20 und die Tennisabteilung seit 10 Jahren.

Dass die nötigen Gelder für diese Leitungen erbracht werden konnten, ist vielen freiwilligen Helfern zu verdanken. Fußballturniere der Ortsvereine, das seit 1990 erstmals durchgeführte Spielfest und vor allem das jährliche Straßenweinfest, bilden die finanzielle Grundlage des Vereins.

 

 

Weinfest - Wirtschaftsbetrieb

Viele Jahre war der Bereich um die ehemalige Turnhalle in der Bahnhofstraße die Kulisse für das Straßenweinfest von Pfingstsamstag bis Pfingstmontag. Um einerseits den besonderen Charakter eines Straßenweinfestes zu erhalten und zum andern den Launen des Wetters nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, wurde der Straßenbereich, in dem gefeiert wurde, teilweise mit Kleinzelten überdacht. Bis zu 160 ehrenamtliche Helfer waren zu dieser Zeit im Einsatz.

1991 wurde der Turngarten an der Halle mit einer Stahlkonstruktion überdacht, so dass nun neben der Kaffeebar auch eine Bocksbeutelbar zur Verfügung stand. Nachdem manche Schwierigkeiten mit den Anwohnern ausgeräumt werden konnten, wurde die Halle zu einem Mittelpunkt geselligen Beisammenseins. Ausschusssitzungen, Kameradschaftsabende, Kappenabende und Preisschafkopf-Turniere fanden hier statt. Die Senioren des Vereins trafen sich zu manch gemütlicher Nachmittagsrunde.

Auch die Bewirtung im Sportheim war mit viel Arbeit und Organisation verbunden. Doch immer mehr Helfer ziehen sich zurück und so wird im November 1994 die Verpachtung des Sportheimes beschlossen. Die Wohnung im oberen Stock ist schon seit Jahren ausgebaut und schnell konnten Wirtsleute zur Bewirtschaftung der Vereinsgaststätte gewonnen werden.

 

Neue Herausforderungen für den Verein

Doch die Arbeit am Sportgelände geht weiter. Der TSV stellt im September 1995 einen Antrag an den Markt Zellingen, zur Errichtung eines Basketball-, Eislauf- und Rollschuhplatzes auf dem Sportgelände in Retzbach. Der Gemeinderat erklärt sich bereit, bei Eigenleistung der Mitglieder des Vereins, einen Zuschuss zu gewähren. Bis zu den Feierlichkeiten zum 125jährigen Bestehen des TSV,
vom 21.6. - 23.6.1996, konnte dieser Platz vollendet werden.

Nach der gelungenen 125-Jahr Feier wurde im Ausschuss beschlossen den Platz jährlich für einen Beatabend zu nutzen. So wurden unsere Beatabende am ersten Wochenende im Mai über die Grenzen hinaus bekannt und erfolgreich. Wegen des erhöhten Arbeitsaufwands und des geringen zeitliche Abstands der Veranstaltungen konnten wir das Weinfest am Pfingsten nicht mehr veranstalten.

 

Neubau der Turnhalle

 

Mit den Jahren wurde immer deutlicher, dass die Turnhalle an der Bahnhofstraße ihre beste Zeit hinter sich hat. Die Fundamente aus Eichenholzbalken waren vermodert, so dass sich große Risse in den Wänden zeigten. Das Dach verformte sich und der Hallenboden senkte sich teilweise ab. Die Vereinsführung wurde nun vor die schwierige Aufgabe gestellt das Gebäude zu sanieren oder abzureißen. Nach in Augenscheinnahme durch die Architekten Arno Sohn und Leonhard Gehrig wurde klar, dass eine Sanierung der maroden Bausubstanz nicht mehr möglich war. So wurde nach eingehender Beratung beschlossen, das Gebäude abzureißen und durch den Neubau einer Mehrzwecksporthalle zu ersetzten. Nach den Plänen von Architekt Arno Sohn und unter der Federführung von Bernhard Hock wurde das Projekt im Herbst 2000 in Angriff genommen.

Währen der Bauphase wurde wieder unter Beweis gestellt dass viele Mitglieder bereit sind ihr Können und ihre Arbeitskraft bei einer solchen Herausforderung den Verein selbstlos zur Verfügung zu stellen. Besonders zu erwähnen sind unsere „Oldies“ deren Einsatz das Projekt erst durchführbar machten.

Nach der Einweihung der Halle im August 2001 wurde vielen klar, dass dem Verein ein besonderes Schmuckstück gelungen ist.

Im September 2001 wurde wieder der Übungsbetrieb aufgenommen. Unter der Leitung von Tony Franke konnte der Verein im März 2002 die neue Abteilung Taekwondo ins Leben rufen die in kürzester Zeit regen Zulauf hatte.

Ob Seniorengymnastik, Rückenschule, Stepdance Gruppe, Mutter und Kind-Turnen oder Ski- und Fitness Gymnastik, die Sportler nehmen den Neubau mit seinen Annehmlichkeiten gerne wieder in Betrieb.

 

Zum Schluss ist es unser Wunsch und Anliegen, dass auch weiterhin in den verschiedenen Abteilungen und dem Gesamtverein, Frauen und Männer bereit sind, für die 870 Mitglieder (Stand 2011) Verantwortung zu übernehmen, damit gerade durch den Turn- und Sportverein unserer Jugend die Möglichkeit geboten wird, auch in Zukunft ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.

 

Der Vorstand des TSV 1871 Retzbach

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 10. August 2015 um 10:15 Uhr
 

       

 

 

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